Donnerstag, 26. April 2007
Armeezeit, Teil 7
So kam Weihnachten heran. Mich und einige andere hatte man schon in der Adventszeit in den Urlaub geschickt, damit wir zu den Feiertagen wieder zurück waren und die anderen fahren konnten. Mir war das gleich, Weihnachten zu Hause konnte mir so wenig geben wie der Urlaub im frühen Dezember. Ich war Soldat. Zu Hause, bei meinen Eltern, meinen Geschwistern verstand niemand meine Erlebnisse, noch weniger als ich selbst. Meine Urlaubstage vergingen, auch wenn ich es mir nicht eingestand, mit dem Warten auf die Rückkehr. In der Kaserne hatte man Weihnachten zwar auch keine Beschäftigung - man lag einfach auf dem Bett herum, hörte kuchenessend Radio und wartete, dass der Tag verging - aber man war, wo man hingehörte. Und es tat gut, hier, am Ort der Hetze und des Geschreis, einmal Ruhe zu erleben, für Stunden und halbe Tage entbunden zu sein von uniformierten Dienstpflichten. Ja, wenn das Essengehen nicht gewesen wäre und das Aufstehen, die mit Trillerpfeife, „Frühsport" und „Marschordnung" den Alltag in Erinnerung riefen, hätte man von Ferientagen reden können. Als danach die Urlauber wiederkamen und uns bedauern wollten, um Erlebnisse aus der Freiheit zum besten geben zu können, winkten wir ab.
Dann fuhr die zweite Gruppe, zu Silvester. Ich gehörte zu den wenigen, die zum zweiten Mal dablieben und als schon Feiertagserfahrene in die erneute Freizeitphase gingen. Als am Silvesterabend um zehn Uhr abends wie jeden Tag der „Nachtruhe!"- und „Licht-aus!"-Pfiff ertönte, hielt ich mich nicht an diesen Befehl. Aber auch unter den verbissen Aufbleibenden fühlte ich mich nicht wohl - es wurde zu wenig geredet, zu falsch gelacht, wir waren wohl wach, aber Silvester war das nicht.

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