Sonntag, 26. Juni 2022
Eine wichtige Geste
Es ist wirklich Zufall, dass das Buch mir dieser Tage in die Hände fiel. Meine Frau hat es nach dem Tod ihrer Mutter aus dem Wegschmeißstapel gezogen, weil eine Widmung an ihren längst verstorbenen Vater drinsteht, konnte sich aber nicht entschließen, die alte Schwarte zu lesen.


Und als ich jetzt mein "Dunkelblum" ausgelesen hatte und lesetechnisch auf dem Trocknen saß, da erbarmte ich mich halt.

Es ist eine blutrünstige Geschichte rings um die Schrecken der Bartholomäusnacht, erzählt von einem protestantischen Schweizer Ich-Erzähler, der nach Paris eilt, begierig, als Soldat mit den Seinen in die Niederlande einzumarschieren und diese mit militärischer Gewalt von den spanisch-katholischen Besatzern zu befreien. Stattdessen gerät er in Paris in die fürchterliche Mordnacht - und wird errettet durch seinen katholischen Freund und dessen Amulett mit der Jungfrau Maria.
Weil menschliche Zuneigung mehr zählt als religiös-ideologische Überzeugung und Maria, wenn sie wirklich die Mutter Gottes ist, ihre Zauberkraft auch für die Feinde ihrer Schützlinge einsetzt.

Ein Verwandter also hat das meinem Schwiegervater zu Weihnachten 1944 geschenkt, als dieser sechzehnjährig als Flakhelfer eingezogen wurde - eine eindeutige und wichtige Geste.


Erinnern wir uns daran, jetzt, wo das Kriegsgeschrei allerorten wieder zunimmt.

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