Dienstag, 6. Mai 2008
Weiter mit Resteverwertung
Es ist doch zum Kotzen, ich arbeite ständig, um gerade mal das Nötigste zu verdienen! Und selbst ein harmloses Hobby wie dieses Blog kann nicht adäquat mit Texten bestückt werden, weil ich keine Zeit hab, auch nur irgendwas Sinnvolles zu schreiben. Daher erstmal weiter mit Resteverwertung. Auf meinem Computer liegt im Ordner "Alte Texte" noch ein Bericht über das Sterben von meinem Freund Jörg. Er war mein Nachbar in meinem ersten Hamberger Jahr 1990, und wir blieben befreundet, auch als ich dann wegzog.
Jörg hatte durch Drogensucht alles verloren, war aus einer Thearapieeinrichtung abgehauen und hatte als Obdachloser mit noch funktionierendem Hirn schnell eine kleine Sozialwohnung in St. Pauli bekommen. Dort lebte er zurückgezogen und HIV-positiv und wurde immer kauziger. Als er starb (das war Mitte der neunziger, es gab noch die D-Mark und das Hafenkrankenhaus), wohnte ich in Stade bei Hamburg. Er war 42 Jahre. Um seinen Namen der Vergessenehit zu entreißen, habe ich ihn nicht geändert. Er hieß wirklich Jörg Heuer.

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Donnerstag, 14. Februar 2008
Ein Verriss weniger ...
Einen Verriss habe ich ich mir schenken können, weil ich mal wieder zu langsam war: Als ich las, dass im Fernsehen "Das Wunder von Berlin" kommt, ein Film über den Mauerfall mit Heino Ferch und Veronika Ferres, da war es schon einen Tag zu spät. Ich tröstete mich damit, dass mir eigentlich schon nach diesen eben genannten Daten (Titel und Hauptdarsteller) klar war, dass es sich vermutlich um minderwertige Durchschnittsware handelt. Aber man weiß ja nie.
Jetzt lese ich im Arztwartezimmer die (positive) Rezension dazu um Spiegel - und bin froh, dass ich das verpasst habe, schon allein aufgrund des angedeuteten Plots. Da besteht die ganze DDR nur aus schlechten (opportunistischen) und guten (idealistischen) Stasis und ein junger Mann reift bei der NVA zum Mann. Na, ich danke.
Offenbar lebt er noch, der Stalinismus - während hier im Westen die alten Ideologien vergessen sind - und die historischen Fakten gleich mit. Aber dazu der nächste Verriss, der sogleich folgt.

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Freitag, 12. Oktober 2007
... alles anders ...
Irgendwie gehts nicht, ich kann nicht bloggen, denn ich kann nicht spontan schreiben. Habe mich sehr über die Betriebsfesterinnerung geärgert, denn das Erlebnis hatte das Zeug zu einer schönen Geschichte, aber so ohne Überlegung heruntererzählt wars nur ein banaler Bericht. Ich werd deshalb die angekündigte Story über den Beruf, zu der mich auch http://callcenteragent.blogger.de/?day=20070830 und http://meinjobundich.blogger.de/?day=20070824 anregten, erstmal in Ruhe zu Hause schreiben. Kann ein Jahr dauern. als Pausen füller erstmal ein Text aus meiner Studienzeit (auch schon zehn Jahre her), der irgendwie zur Thematik zu passen scheint ...

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Samstag, 8. September 2007
Guten Tag, BRD!
Da gab es einen Kindergeburtstag. Es war ein vierter Geburtstag, und es war etwas ganz Neues, dass die Kinder ohne Elternbegleitung dableiben konnten. Aber kurz bevor die Kleinen abgeholt wurden, trafen sich die Eltern ja doch – und saßen noch eine halbe Stunde auf der Terrasse. Da konnte ich mich nicht mehr verstecken und musste meine berufliche Situation offenbaren. Ich überbrückte die peinliche Situation ( ich war der Schlechtverdienendste der Runde) mit Anekdoten aus meinen alltäglichen Erlebnissen. Da sagte Juan, der Vater des derzeit besten Freundes meines Sohnes: „Schreib das auf! Das wird ein Bestseller!“ Natürlich hoffe ich, dass er Recht hat. Ihr seid das Testpublikum.

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Dienstag, 21. August 2007
Tschüssi, DDR!
Nach der Wende

Da träumte einer von Greifswald.
Die Leute lachten ihn aus –
dass einer so mit der Angst prahlt
aus einem verlassenen Haus,

dass einer sein jetziges Leben
und diese vergangene Zeit
in einen Teppich zu weben
und zu verknüpfen bereit

sich findet, als trügen die Stücken
immer noch Leben in sich,
als gäbe die Summe der Lücken
am Ende ein achtbares Ich.

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Was war die DDR? Nachgereichte Zeitungskritiken
Also, theoretisieren wir über die DDR. Es geht um zwei Zeitungsartikel – falls Ihr sie nicht gelesen habt: Reinhard Jirgl fordert in der NNZ die restlose Bestrafung der damaligen SED-Chefs und beklagt, wie milde die hohen DDR-Bonzen (wenn überhaupt) bestraft wurden; Uwe Tellkamp jongliert in der FAZ ironisch mit diversen Klischees der DDR-Erinnerung – alles anlässlich der etwas künstlichen Feuilleton-Debatte um Schießbefehl und Birthlers Gauck-Behörde.
Mit meiner Frau, die ja ebenfalls Ex-Ossi ist, sinnierte ich jedenfalls über die Frage, warum es uns völlig egal ist, ob es den Schießbefehl nun als generelles Schriftstück gegeben hat oder nicht. Vielleicht Erfahrungen von damals. Das Lächerlichste und Verlogenste, was es gab, waren die Schriftstücke. Das Gefährlichste die bestehenden Strukturen, persönlichen Kontakte, Verbindungen.
Und deshalb war mir Jirgl so fremd. Sein Ruf nach restloser juristischer Aufarbeitung ist mir fremd. Komisch, dass er das so sehr fordert. Denn seine Beschreibung dessen, was die DDR war, gefiel mir: diese sehr persönliche Aussage, dass Angst einerseits und Wut über ein Unschuldig-Bestraft-Sein andererseits für viele von uns die wichtigsten Triebfedern des Handelns waren. Aber Angst und Wut besiegt man doch nicht durch Rache! Da kommt doch meist das Gegenteil von dem raus, was man eigentlich wollte. Das beste Beispiel dafür ist die „rumänische Lösung“, die er anspricht (und insgeheim gutheißt?): die öffentliche Erschießung des Parteivorsitzenden. Mag sein, dass ein gedemütigtes Individuum daraus eine kurzzeitige Befriedigung ziehen kann. Aber es macht nichts wieder gut. Im Gegenteil: Der politisch Gebildete weiß inzwischen, dass diese Erschießung von Ceaucescu damals nur dazu diente, durch Opferung des Königs den Hofstaat zu retten. Diese Art Aufarbeitung war eine Verhinderung von Aufarbeitung.
Insofern: Wie schlimm ist es wirklich, dass ein paar alte Männer vielleicht aufgrund politischer Rücksichten zu milde bestraft wurden? Vielleicht ist es sogar gut so – weil man vielleicht dadurch die DDR leichter vergisst, je schneller, desto besser. Und Jirgls Vergleich mit den Nürnberger Prozessen hinkt: ein paar Hundert Tote sind etwas anderes als ein paar Millionen. Schlimm war meines Erachtens nicht die Größe der Verbrechen, sondern deren lange Dauer. Die Verseuchung der Kultur, der Mentalität, die Etablierung von Angst und Ohnmachtsgefühlen als Grundmotivation.
Deshalb gefiel mir Tellkamp besser. Der fragte erst gar nicht nach dem Schießbefehl und dessen eventueller juristischer Relevanz, sondern setzte da an, wo es spannend wird, an der Frage: Was war die DDR? Und hatte gleich aus dem Bauch heraus eine gute Antwort: ein „paternalistisches Projekt“: „Bei Wohlverhalten Belohnung, bei Abweichung >die Instrumente<“. Leider schämte er sich offenbar gleich darauf über seine so klare Antwort und verwischte sie wieder, indem er ein Feuerwerk aus DDR-Klischees entfachte, das sehr lustig zu lesen ist (und das ich jedem zum Nachlesen empfehle). Aber wie es den Ironikern so geht: Er will alle Klischees entwerten, kann aber am Ende aus rhetorischen Gründen nicht umhin, eines dieser Klischees doch zu akzeptieren, natürlich das blödeste und angepassteste: die DDR als „Turmbau in Atlantis“.
Nein, nicht die Utopie ist Schuld, dass aus der DDR nichts wurde! Eher das Fehlen von Utopie. Für mich war es ein ängstliches halbes Ländchen, entstanden als Abfallprodukt einer totalitären Teilung Europas. Und jetzt schlaf wohl, kleines Ländchen. Ich schick dir ein Gedicht hinterher und ein Foto und dann erzähl ich nur noch von meinem Westleben (sofern mir das gelingt).

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Freitag, 17. August 2007
Jetzt fang ich auch schon an mit Verweisen -
wenigstens nicht aus youtube, sondern aus den üblichen Feuilletons. Aber ich bin wirklich zu müde, verspreche aber, morgen genau zu sagen, warum ich diesen Artikel
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/entdecken_heisst_die_wiederkehr_von_realitaet_1.541139.html
ziemlich doof fand und diesen
http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E3398230047544B7288888F6C41F53A16~ATpl~Ecommon~Scontent.html
ziemlich gut
.. und dann beende ich meine persönliche DDR-Debatte mit einem Zitat aus meinem letzten Brief von dort, vom Januar 1990 und einem kleinen Gedicht über Greifswald! Ist versprochen - mir selber.

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Freitag, 27. Juli 2007
Zwischendurch - hier ist mein Anliegen nachzulesen
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/die_neuen_barbaren_1.533148.html

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Dienstag, 10. Juli 2007
Zum neuen Thema
In jeder richtigen Talkshow zaubert der Gast am Ende immer einen Zettel mit Konzertterminen oder eine Ausgabe seines neuen Buches aus der Hosentasche, und so will auch ich’s halten, hier in der Privatrederunde, wo natürlich alles eine Nummer kleiner ist: Mein Buch hat nur eine Auflage von 30 Exemplaren, aber eine echte ISBN-Nummer (3-00-020299-4) und ist im Buchhandel oder bei mir bestellbar – und in der Buchhandlung Christiansen in HH-Ottensen sogar vorrätig. Aber wenn Sie mich fragen – der Armeetext ist schon das beste aus diesem Buch, das andere hat mehr Liebhaberwert. Dennoch hier der Werbehinweis:

Und jetzt habe ich, wie angekündigt, noch was aus der Schublade: meine kleine Briefsammlung aus dem Wendejahr 1989. Die lag wirklich bestimmt schon zehn Jahre in meinem Krimskrams rum. Erst die Lektüre von Kempowskis Echolot (dessen Idee mich faszinierte, dessen Tendenz mich nervte und dessen Erfolg mich mit Neid erfüllte) bewog mich, nun auch mein kleines Echolötchen ans Tageslicht zu befördern. Das zu tun, geht zwar an die Grauzone des Legalen – denn alle Texte sind echt, und ich habe die Urheber nicht nach ihren Rechten gefragt. Größerenteils wüsste ich aber nach so langer Zeit auch gar nicht mehr, wie ich sie kontaktieren sollte. Und die eine, die ich fragte (damals meine Freundin), fand’s gut – ich hoffe, die anderen auch, sollten sie davon erfahren. Außerdem handelt es sich ja um Textausschnitte, keine ganzen Briefe, und wenn ich mich richtig erinnere, darf man das auch ohne Autor-Autorisation zitieren. Und Kempowskis Trick, den ich hier auch angewendet habe, finde ich einfach richtig gut: meine persönliche Sicht der Dinge sagen und dabei ganz objektiv tun, da ich ja alles aus den Worten der anderen montiere.
Ich habe allerdings außer meinem alle Namen geändert – Persönlichkeitsrechte möchte ich schon achten, sie sind allemal wichtiger als Urheberrechte.
Nun muss ich ein bisschen die Personen vorstellen, damit man sich einen Reim auf alles machen kann. Also, Andreas und Peter waren Westdeutsche, genauer gesagt, Bayern (wie ich sie kennengelernt habe – eine Anekdote für sich), mit denen ich befreundet war und die mit Briefen und Paketen an meinem Leben Anteil nahmen (nochmals danke). Dann kannte ich eine Reihe von Studenten (ich war ja auch selbst einer) – und wie man aus deren (und meinen) Äußerungen leicht sehen kann, hatte das Studentsein doch etwas Angepasstes (ist heute, glaub ich, auch wieder so). Studenten also: Dörte, Maria, Thomas und Jana. Dann die Unangepassteren, die irgendwas jobbten (Marc, Isabelle, Antje) und unter diesen besonders zu erwähnen meine Freundin, die einen Ausreiseantrag hatte und somit ein echter Außenseiter war (Monika). Was übrigens aus unserer Beziehung werden sollte, falls der Antrag genehmigt wird, das war unser liebstes Streit- und Weinthema, deshalb hier nichts Nähres darüber ... Endlich noch ein ganz echter Außenseiter, der Viehzüchter und Naturbursche Andi, den ich noch aus meiner Armeezeit kannte.
So weit, so gut: Viel Spaß beim Lesen!

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Sonntag, 24. Juni 2007
... auch, und übrigens ...
... muss ich noch erwähnen, dass ich (der doch durch einen Nachbarn auf die Bloggerei gekommen bin) nun meinerseits einen angesteckt habe: Ein Bekannter, den ich bisher und seit Jahren eigentlich nur als Wissenschafltler kenne (ein gemeinsamer Bekannter meinte mal: "Wenn du historisch aus dem Anfang des [20.] Jahrhunderts irgendeine Sache nicht weißt, mach dir nicht den Stress, lange Lexika zu wühlen -frag ...") - der fängt jetzt plötzlich an, aus seinem Privatleben zu erzählen, aus der nordeutschen Provinz, um nicht zu sagen, dem Dorfleben - verspricht interessant zu werden! Also gucken Sie nach:
http://haruwa.blogger.de/

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