Dienstag, 31. Juli 2007
Briefe 13 und 14
* 25.10., von Monika
... Im Fernsehen kam gerade Egon Krenz, dessen Antrittsrede wir uns anhören wollten. Sie war mühsam und nicht lange auszuhalten. Und eigentlich war es sehr traurig. Ein Mensch redet zu Menschen in seinem Land und er redet, ohne daß man sein Herz spürt; er betont seine Stimme - es klingt blechern und scheint unaufhörlich zu scheppern ...

* 1.11., von Andreas
Lieber Martin!
Jetzt bricht mein Skeptizismus voll durch. Ich glaube nicht, daß die SED die Reisefreiheit gewähren wird. Die Devisenfrage wird als Schutzbehauptung vorgeschoben. Für mich als Historiker sind Opportunismus und Verstellung absolut nichts Neues. Aber erstaunlich ist es doch, zu sehen und zu hören, wie viele in der DDR jetzt plötzlich ganz anders reden als zuvor. Kurzum - was nutzt der Reisepaß ohne Aus- und Einreisevisum. Und dabei bleibt's doch nicht! Ich vermute, daß in Zukunft jeder Antragsteller für Westreisen noch eine Vermögensoffenbarung über Devisenbesitz beilegen muß. Das ergänzt dann die dem Antragsteller nicht unmittelbar einsichtig gemachte politische Wohlverhaltensklausel.
ALSO: wenn Du eine Einladung zur Vorlage bei der Visaabteilung brauchst, laß es mich schnell wissen. An die "Wende" in der DDR kann ich nicht glauben. Wer wen -die Frage beantwortet ein Herr Schabowski und ein Herr Modrow, ein Herr Krenz wie ein Herr Honecker letztlich gleich
Wachen Sinnes und illusionslos
Dein Andreas

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