Samstag, 25. April 2026
Ein wahrer Ossi
damals, 12:20h
Ich war am Dienstag im Schauspielhaus bei "Zukunft der Demokratie", diesmal ein Interview mit Steffen Mau. Das war natürlich großartig, und ich musste meinem Sohn zustimmen, dass das nochmal um eine ganze Ecke fundierter war als der ebenfalls sehr sympathische Ronen Steinke, der vor zwei Monaten in der Reihe aufgetreten war.
Was aber bemerkenswert war: Lukas Bärfuss, der Interviewer, begann das Interview, wie das so üblich ist, mit einer einleitenden Aufzählung der wissenschaftlichen Meriten des Gastes, um das Gespräch dann mit einer netten kleinen Provokation einzuleiten: "Sie sind ja auch selbst in der DDR aufgewachsen - also jetzt mal abgesehen von ihren Forschungen: So als Mensch, wie war das so, in einer Diktatur aufzuwachsen?"
Da verharrte Mau schreckhaft in banalster Einsilbigkeit und meinte nur: "Das war normal." und brachte auch zur Erklärung dieses Allgemeinplatzes nichts weiter vor als weitere Allgemeinplätze. Und erst später, als es um Fakten, um Strukturen, um intellektuell greifbare Zusammenhänge ging, da lief Mau zu Hochform auf, da ließ er sich von Bärfußens weiterhin brillierenden, dynamisierenden Fragen und Einwürfen zu lebendigem, klugem Reden verlocken.
Wie ich mich da wiedererkannt habe! "Ich" sagen ist für uns Ossis das Schwierigste.
Was aber bemerkenswert war: Lukas Bärfuss, der Interviewer, begann das Interview, wie das so üblich ist, mit einer einleitenden Aufzählung der wissenschaftlichen Meriten des Gastes, um das Gespräch dann mit einer netten kleinen Provokation einzuleiten: "Sie sind ja auch selbst in der DDR aufgewachsen - also jetzt mal abgesehen von ihren Forschungen: So als Mensch, wie war das so, in einer Diktatur aufzuwachsen?"
Da verharrte Mau schreckhaft in banalster Einsilbigkeit und meinte nur: "Das war normal." und brachte auch zur Erklärung dieses Allgemeinplatzes nichts weiter vor als weitere Allgemeinplätze. Und erst später, als es um Fakten, um Strukturen, um intellektuell greifbare Zusammenhänge ging, da lief Mau zu Hochform auf, da ließ er sich von Bärfußens weiterhin brillierenden, dynamisierenden Fragen und Einwürfen zu lebendigem, klugem Reden verlocken.
Wie ich mich da wiedererkannt habe! "Ich" sagen ist für uns Ossis das Schwierigste.
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fritz_,
Samstag, 25. April 2026, 13:36
Cave canem! Sehr anschaulich, wie du zum Schluss zum Mehrzahlpronomen "uns" greifst und die gerade begonnene Ich-Aussage unterwegs verdurstet. :-)
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