Mittwoch, 18. März 2026
Intrinsisch
damals, 16:14h
Das Wort kennen wahrscheinlich nur die Pädagogen und Psychologen unter Ihnen. Als ich auf Lehramt studierte, war es groß im Schwang: Intrinsische Motivation, das war die gute, also die, die nicht von Schule und Lehrer aufoktroyiert wird, sondern aus individuellen Interessen von Schülern entsteht, eine Motivation, die sinnvollerweise möglichst breiten Raum im Unterrichtsgeschehen einnehmen sollte – im Gegensatz zur extrinsischen Motivation, die aus äußerer Einwirkung auf Lernende entsteht.
Schön an dieser Sichtweise ist, dass sie dem lernenden Subjekt, das in in der Schule notwendigerweise extrinsischen Manipulationen ausgesetzt ist, immerhin Wertschätzung und möglichst viel vorurteilsfrei akzeptierten Freiraum zugesteht. Diese Zeiten sind lange vorbei.
In dem Konzept einer modernen Reform-Schule (Alemannenschule Wutöschingen), die sich die Selbstständigkeit der Schülerindividuen auf die Fahnen geschrieben hat, lese ich Folgendes: „Intrinsische Motivation: Schüler wollen aufsteigen, nicht weil sie müssen, sondern weil sie die Freiheiten schätzen“. Gemeint ist damit: Lernende werden nicht aufgrund aufgrund einer Datenlage und ohne Ansehen der Person durch die Schule in Klassen genannte Lerngruppen zusammengebracht, in denen sie dann zu bleiben haben, sondern die Lerngruppen sind fluide, mischen sich anhand von sozialem und Wissensstand der Lernenden immer wieder neu.
Das fühlt sich natürlich ziemlich individuell an, da Lernende scheinbar frei auf- und absteigen und sich als Gruppen immer neu formieren können. Intrinsisch ist das aber nicht, da sich die Schüler nicht aufgrund eigener Interessen zusammenfinden, sondern aufgrund eines extrinsisch gesetzten Wettbewerbs. Individualität wird hier mit Kampfgeist verwechselt.
Wie neoliberal sich diese Verwechslung dann letztendlich auswirkt, hängt wohl davon ab, wie stabil die entstandenen Lerngruppen sind: Sind sie so stabil, dass sie den individuellen Lernenden den für das Lernen nötigen Schutz geben können oder haben wir es mit einer immerwährenden Neusortierung nach Leistung zu tun? Denn was der Mensch, das Rudeltier, braucht, ist eine Balance zwischen der Freiheit, sich seinen Platz in der Gruppe auch selber erkämpfen zu können, und der Sicherheit, in der erkämpften Position dann auch erstmal längere Zeit einfach sein zu können. Nur in dieser Sicherheit kann der Mensch intrinsische Interessen entwickeln – was dann wieder der Allgemeinheit zugute kommt. Wer sich seinen Platz in der Gruppe nicht erstreiten darf, sondern zugeteilt bekommt, der verkümmert, das ist klar - wer aber immerfort (und vielleicht verschuldet oder unverschuldet aus schlechter Ausgangslage) um seinen Platz kämpfen muss, der verkümmert auch.
Es gibt ein Pendant dazu in der Gesellschaft: Die Großfamilien zerfallen seit fast 200 Jahren in immer kleinere Kleinfamilien, was die einzelnen Individuen freier, aber auch machtloser macht gegenüber dem gleichbleibend stabilen Wirtschaftssystem. Es ist kein Wunder, dass die Unterschichtler im Osten oder im Ruhrgebiet zwar lautstark den neoliberalen Egoismus propagieren, den sie den Erfolgreicheren neiden, dass sie sich faktisch aber ganz unindividuell in festen ideologischen Gruppen zusammenklumpen, von denen sie sich Schutz erhoffen. Populistisch nennt man das dann. Es ist die Einsicht, dass sie als Einzelkämpfer keinen Blumentopf gewinnen können, aber vielleicht als lautstark meuternde Gruppe doch einen Vorsprung gegenüber anderen marginalisierten Gruppen.
Schön an dieser Sichtweise ist, dass sie dem lernenden Subjekt, das in in der Schule notwendigerweise extrinsischen Manipulationen ausgesetzt ist, immerhin Wertschätzung und möglichst viel vorurteilsfrei akzeptierten Freiraum zugesteht. Diese Zeiten sind lange vorbei.
In dem Konzept einer modernen Reform-Schule (Alemannenschule Wutöschingen), die sich die Selbstständigkeit der Schülerindividuen auf die Fahnen geschrieben hat, lese ich Folgendes: „Intrinsische Motivation: Schüler wollen aufsteigen, nicht weil sie müssen, sondern weil sie die Freiheiten schätzen“. Gemeint ist damit: Lernende werden nicht aufgrund aufgrund einer Datenlage und ohne Ansehen der Person durch die Schule in Klassen genannte Lerngruppen zusammengebracht, in denen sie dann zu bleiben haben, sondern die Lerngruppen sind fluide, mischen sich anhand von sozialem und Wissensstand der Lernenden immer wieder neu.
Das fühlt sich natürlich ziemlich individuell an, da Lernende scheinbar frei auf- und absteigen und sich als Gruppen immer neu formieren können. Intrinsisch ist das aber nicht, da sich die Schüler nicht aufgrund eigener Interessen zusammenfinden, sondern aufgrund eines extrinsisch gesetzten Wettbewerbs. Individualität wird hier mit Kampfgeist verwechselt.
Wie neoliberal sich diese Verwechslung dann letztendlich auswirkt, hängt wohl davon ab, wie stabil die entstandenen Lerngruppen sind: Sind sie so stabil, dass sie den individuellen Lernenden den für das Lernen nötigen Schutz geben können oder haben wir es mit einer immerwährenden Neusortierung nach Leistung zu tun? Denn was der Mensch, das Rudeltier, braucht, ist eine Balance zwischen der Freiheit, sich seinen Platz in der Gruppe auch selber erkämpfen zu können, und der Sicherheit, in der erkämpften Position dann auch erstmal längere Zeit einfach sein zu können. Nur in dieser Sicherheit kann der Mensch intrinsische Interessen entwickeln – was dann wieder der Allgemeinheit zugute kommt. Wer sich seinen Platz in der Gruppe nicht erstreiten darf, sondern zugeteilt bekommt, der verkümmert, das ist klar - wer aber immerfort (und vielleicht verschuldet oder unverschuldet aus schlechter Ausgangslage) um seinen Platz kämpfen muss, der verkümmert auch.
Es gibt ein Pendant dazu in der Gesellschaft: Die Großfamilien zerfallen seit fast 200 Jahren in immer kleinere Kleinfamilien, was die einzelnen Individuen freier, aber auch machtloser macht gegenüber dem gleichbleibend stabilen Wirtschaftssystem. Es ist kein Wunder, dass die Unterschichtler im Osten oder im Ruhrgebiet zwar lautstark den neoliberalen Egoismus propagieren, den sie den Erfolgreicheren neiden, dass sie sich faktisch aber ganz unindividuell in festen ideologischen Gruppen zusammenklumpen, von denen sie sich Schutz erhoffen. Populistisch nennt man das dann. Es ist die Einsicht, dass sie als Einzelkämpfer keinen Blumentopf gewinnen können, aber vielleicht als lautstark meuternde Gruppe doch einen Vorsprung gegenüber anderen marginalisierten Gruppen.
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