Mittwoch, 10. Oktober 2018
Sex und Zuckerrübensirup
Vielleicht ist das ein Grund, warum ich mich mit den aktiven, selbstbestimmten, direkten Frauen und den zugehörigen Männern, die auf unerschütterliche Weise auf dem Boden irgendwelcher Tatsachen (meist finanzieller Natur) stehen und entsprechend agieren, so schlecht verstehe (obwohl wir uns mitunter sogar mögen): Meine Sexualität tickt anders.

Eine dieser Frauen ist offenbar auch die Autorin des Romans, den ich gerade lese (und dessen rationale Seite mir außerordentlich gefällt). Sie zeichnet folgendes Negativbild schlechter Sexualität: „Unmaßgeblicher, bewährter Sex hat sich durch mein Leben gezogen wie Zuckerrübensirup, bis ich glaubte, so sei es eben, es müsse wohl so sein.“ Ein schöner Satz.

Nun, was mich betrifft: Ich liebe Zuckerrübensirup, habe ihn schon immer geliebt und esse ihn auch jetzt oft, nicht den dünnen, flüssigen von Gr***er, nein, den vom örtlichen Bio-Großbetrieb, der so schön süß, schwarz und zäh und klebrig ist. Macht schwerfällig und glücklich.

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P.S. Und auch in diesem Fall hab ich mich wieder vorschnell provozieren lassen (irgendwie bin ich wohl zu dünnhäutig derzeit): Der Satz war natürlich eine exaltierte Aussage des verliebten Ich-Erzählers – und dieser Roman über Glaubensfragen wäre ein kein katholischer Roman, würde sich nicht am Ende die sexuell leidenschaftliche Liebe als die falsche oder zumindest langfristig nicht tragfähige Liebe herausstellen: Die leidenschaftliche Geliebte geht wieder in die Ferne, aus der sie gekommen war, und die geschiedene Frau des Protagonisten kehrt aus dieser Ferne zurück in die Heimat. Denn es gibt nur diese eine Heimat, sosehr der Protagonist das Regenwetter in der Eifel nicht mag.

… aber ich merke, ich meckere schon wieder. Natürlich war mir dieses westdeutsch-katholisch-liberale Welt- und Gottesbild, das der Roman in Abgrenzung gegen katholisches Extremistentum propagiert, emotional nicht besonders nahe. Ganz im Gegensatz zu dem zuvor gelesenen Roman eines nach dem Westen ausgereisten Brandenburgers (Loschütz „Ein schönes Paar“). Im Grunde sind mir die Flüchtlinge, mit denen ich zu tun habe, nicht fremder als Rheinländer. So eng ist Heimat, wenn man sich ehrlich befragt.

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Ich bin altmodisch: Für mich ist der Sex mit einer geliebten Person heilige Handlung, die tiefste Vereinigung und das höchste Gefühl der Liebe :)

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Das finde ich gar nicht altmodisch, sondern sehr einleuchtend. Mir ging es darum, dass eine heilige Handlung immer einen für die Betroffenen wirklich passenden Ritus braucht, sonst kommt der Kontakt mit dem Göttlichen, die tiefe Vereinigung nicht zustande, und es bleibt ein hohler Budenzauber. Auch hier macht, wie so oft, der Ton die Musik.

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ja, aber das ist doch Voraussetzung für alle Dinge im Leben, die mit Gefühlen oder Genuss oder beidem zu tun haben. Man kann seinen Rotwein natürlich auch im Stehen und aus der Flasche trinken oder seinen Mozart beim Geschirrspülen hören .. Aber der Rahmen erst macht das Erlebnis .. Eigentlich eine Binsenwahrheit. Oder täusche ich mich? Dann bitte ich um Nachsicht :)

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Natürlich. Tiefer zu gehen war nicht meine Absicht. Das würde dann definitiv auch zu privat werden.

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