Samstag, 14. Februar 2026
„Denn Engel kommen nicht zu solchen Betern“
damals, 18:49h
Ich lese gerade „Der letzte Sommer der Tauben“ von Abbas Khider (wunderbares Buch übrigens, viel besser als sein voriges) und da kommt eine religionskritische Figur mit ihrer eigenen Theorie zum Islam um die Ecke: Der eigentliche Islam, das seien nur die Mekkanischen Suren, und am Ende der Mekkazeit, da sei ein Dämon in Mohammed gefahren, und den ganzen Rest des Korans, mit den Religionsgesetzen und Strafen, das wäre gar nicht von Mohammed, sondern die Ausgeburt eines bösen Geistes.
Da ich davon keine Ahnung habe, musste ich die Lektüre unterbrechen und nachgooglen. Meine oberflächliche Recherche ergab, dass Mohammed Mekka verlassen musste, weil er bei den amtierenden Religionen und Religionsherrschern aneckte mit seiner Mission. Er zog sich nach Medina zurück, wo er seine Jünger um sich scharte und versuchte, auch andere mit ins Boot zu holen, auch die Christen und Juden, die aber dankend ablehnten. An letzteren Fakt erinnere ich mich auch noch dunkel aus dem Geschichtsstudium, dass seine brüste Ablehnung dieser Religionen aus dieser schmählichen Abfuhr zu erklären sei. Wie auch immer, er zog dann militärisch in den Kampf gegen Mekka, um seine Sache durchzusetzen.
Erinnerte mich irgendwie an Jesus. So wie Mohammed gänzlich vaterlos (und daher geneigt, einen Vater im Himmel anzunehmen), war ja Jesus zeitlebens durch die Sehnsucht nach seinem eigentlichen Vater im Himmel geprägt. Und beide sammelten Sie Getreue um sich im Namen des jenseitigen Gottvaters. An der Stelle allerdings, wo der Konflikt mit realer religiöser und politischer Macht unausweichlich wurde, entfloh Jesus nicht, sondern wurde verhaftet und bald auch hingerichtet, während Mohammed an dieser Stelle den realen politischen, bald auch militärischen Kampf aufnahm. Den Kampf um seine Bewegung überließ Jesus den Nachfolgern, die diesen auch nicht als militärischen Kampf organisierten, sondern als geheimes Netzwerk – und erst viel, viel später (und darum umso ausdauernder) in den gewaltsamen Kampf um die politische Macht einstiegen.
An dieser Stelle ist der eigentliche Knackpunkt. Sehr gut erspürt hat das Rilke, auch der so ein Mann mit Vatermanko (die Mutter erzog ihn als Mädchen, der Vater war erfolglos und verließ auch bald durch Scheidung die Familie, Rilke kam ins Internat), in einem meiner liebsten Rilke-Gedichte: "Der Ölbaumgarten". Wenn man über manche kitschige Floskel hinsieht („das Staubigsein der heißen Hände“ hätte nicht unbedingt sein müssen), stellt Rilke hier absolut die richtige Diagnose: Dass Jesus am Ölberg, als seine Mission an die Grenzen friedlichen Handeln stieß, ein Engel erschienen sein soll, dass sein Scheitern ein Element göttlicher Vorsehung und als solches gut und richtig gewesen sein soll, das leuchtet nicht unbedingt ein. Und gar noch das Ding mit der Erbsünde, dass sein Scheitern unsere Sünden ausgewaschen haben soll, dass das Quatsch ist, das hat schon Maarten d`Hart in seinem herrlichen Buch „Der Flieger“ nachgewiesen.
Womit ich nicht sagen will, dass Mohammed mit seinem Kämpfer-Ding den besseren Weg gewählt hat, im Gegenteil.
Vielleicht (ich habs ja noch noch nicht fertig gelesen) kommt Abbas Khider mit seinem „Sommer der Tauben“ näher ans Ideal: Er zeigt nicht nur, wie brutal Diktaturen sind, auch wenn sie Süßigkeiten verschiedener Art verteilen und diesen und jenen damit auf ihre Seite ziehen, er zeigt auch, dass in Gesellschaften, in denen Wesen wie seine Tauben in solidarischer Verbundenheit ein Stück Freiheit genießen und individuelle Eigenart, individuelle Liebe möglich ist, dass auch da nicht alles auf die gerechteste und gewaltloseste Art zustande gekommen ist.
Ich weiß auch nicht. Es braucht den guten Willen, das Zurückstecken für die Gemeinschaft und es braucht das „Jetzt bin aber mal ich dran!“ Vielleicht ergibt beides zusammen erst das, was Khider im freien Flug der Tauben bewundert.
Da ich davon keine Ahnung habe, musste ich die Lektüre unterbrechen und nachgooglen. Meine oberflächliche Recherche ergab, dass Mohammed Mekka verlassen musste, weil er bei den amtierenden Religionen und Religionsherrschern aneckte mit seiner Mission. Er zog sich nach Medina zurück, wo er seine Jünger um sich scharte und versuchte, auch andere mit ins Boot zu holen, auch die Christen und Juden, die aber dankend ablehnten. An letzteren Fakt erinnere ich mich auch noch dunkel aus dem Geschichtsstudium, dass seine brüste Ablehnung dieser Religionen aus dieser schmählichen Abfuhr zu erklären sei. Wie auch immer, er zog dann militärisch in den Kampf gegen Mekka, um seine Sache durchzusetzen.
Erinnerte mich irgendwie an Jesus. So wie Mohammed gänzlich vaterlos (und daher geneigt, einen Vater im Himmel anzunehmen), war ja Jesus zeitlebens durch die Sehnsucht nach seinem eigentlichen Vater im Himmel geprägt. Und beide sammelten Sie Getreue um sich im Namen des jenseitigen Gottvaters. An der Stelle allerdings, wo der Konflikt mit realer religiöser und politischer Macht unausweichlich wurde, entfloh Jesus nicht, sondern wurde verhaftet und bald auch hingerichtet, während Mohammed an dieser Stelle den realen politischen, bald auch militärischen Kampf aufnahm. Den Kampf um seine Bewegung überließ Jesus den Nachfolgern, die diesen auch nicht als militärischen Kampf organisierten, sondern als geheimes Netzwerk – und erst viel, viel später (und darum umso ausdauernder) in den gewaltsamen Kampf um die politische Macht einstiegen.
An dieser Stelle ist der eigentliche Knackpunkt. Sehr gut erspürt hat das Rilke, auch der so ein Mann mit Vatermanko (die Mutter erzog ihn als Mädchen, der Vater war erfolglos und verließ auch bald durch Scheidung die Familie, Rilke kam ins Internat), in einem meiner liebsten Rilke-Gedichte: "Der Ölbaumgarten". Wenn man über manche kitschige Floskel hinsieht („das Staubigsein der heißen Hände“ hätte nicht unbedingt sein müssen), stellt Rilke hier absolut die richtige Diagnose: Dass Jesus am Ölberg, als seine Mission an die Grenzen friedlichen Handeln stieß, ein Engel erschienen sein soll, dass sein Scheitern ein Element göttlicher Vorsehung und als solches gut und richtig gewesen sein soll, das leuchtet nicht unbedingt ein. Und gar noch das Ding mit der Erbsünde, dass sein Scheitern unsere Sünden ausgewaschen haben soll, dass das Quatsch ist, das hat schon Maarten d`Hart in seinem herrlichen Buch „Der Flieger“ nachgewiesen.
Womit ich nicht sagen will, dass Mohammed mit seinem Kämpfer-Ding den besseren Weg gewählt hat, im Gegenteil.
Vielleicht (ich habs ja noch noch nicht fertig gelesen) kommt Abbas Khider mit seinem „Sommer der Tauben“ näher ans Ideal: Er zeigt nicht nur, wie brutal Diktaturen sind, auch wenn sie Süßigkeiten verschiedener Art verteilen und diesen und jenen damit auf ihre Seite ziehen, er zeigt auch, dass in Gesellschaften, in denen Wesen wie seine Tauben in solidarischer Verbundenheit ein Stück Freiheit genießen und individuelle Eigenart, individuelle Liebe möglich ist, dass auch da nicht alles auf die gerechteste und gewaltloseste Art zustande gekommen ist.
Ich weiß auch nicht. Es braucht den guten Willen, das Zurückstecken für die Gemeinschaft und es braucht das „Jetzt bin aber mal ich dran!“ Vielleicht ergibt beides zusammen erst das, was Khider im freien Flug der Tauben bewundert.
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